11 wesentliche Aspekte der Achtsamkeit

Nüchtern betrachtet ist Achtsamkeit einfach eine Methode, die dir hilft, dich selbst und deine Umwelt hautnah zu erleben.

In der Praxis ist das aber gar nicht so einfach.Denn wer weiß schon wie es geht, klar und hellwach mit allen Sinnen auf Empfang zu sein? Und das nicht nur zufällig für wenige Augenblicke.

Was passiert eigentlich, wenn du so ganz ohne Ablenkung und Gedankenspielchen allein mit dir selbst rumsitzt?

Worum geht es bei Achtsamkeit nun wirklich? Hier die 11 wichtigsten Aspekte:

#1 Aufmerksamkeit lenken

Stell dir vor, du bist in einem unbekannten, völlig dunklen Raum. Du hast eine Taschenlampe dabei. Der Lichtkegel deiner Lampe steht für deine Aufmerksamkeit.

Aus der Gewohnheit heraus würdest du den Lichtstrahl dorthin richten, wo du ein Geräusch hörst oder wo dich ein anderer Impuls hinführt.

In einem achtsamen Zustand bist du unabhängig von solchen Reizen. Du könntest ganz bewusst die Stellen des Raums auswählen, die du ausleuchten möchtest. Ob du dich dabei auf einen Punkt fokussieren oder einen größeren Bereich erhellen möchtest bleibt ganz dir überlassen.

#2 Bei der Sache bleiben

Unsere Gedanken – und damit die Aufmerksamkeit – springen meist schnell und scheinbar wahllos von einer Sache zur nächsten.

Achtsam Sein bedeutet, dass sich der Geist für eine Weile nur auf eine Sache fokussiert. Das kann man durch Achtsamkeitsmeditation üben.

Dazu wählt man etwas aus, auf das man sich die nächsten Minuten konzentrieren möchte aus – zum Beispiel den Atem – und beginnt dann, sich selbst dabei zu beobachten, ob und wie man das tut. Sobald du bemerkst, dass die Gedanken abgeschweift sind, bringst du deine Aufmerksamkeit wieder zum gewählten Gegenstand der Betrachtung zurück. Je häufiger du das übst, desto leichter fällt es dir, deine Aufmerksamkeit länger zu halten.

#3 Auf Abstand gehen

Wenn du achtsam bist, bist Du dir nicht nur bewusst, dass du aufmerksam bist und deine Aufmerksamkeit steuerst, sondern nimmst auch eine gewisse Distanz zu dem ein, was du beobachtest.

Damit begibst du dich in die Vogelperspektive und kannst auf diese Weise gelassener beobachten, was in dir und um dich herum passiert. Es kann sehr hilfreich sein, das Erlebte auf diese Weise mit etwas mehr Abstand zu betrachten.

#4 Sinneswahrnehmung bewusst wählen

Wir nehmen mit unseren fünf Sinnen wahr: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Die buddhistische Psychologie spricht zusätzlich von einem sechsten Sinn, mit dem du registrierst, was in dir selbst vor sich geht. Auch hier können verschiedene Aspekte wahrgenommen werden, wie zum Beispiel innere Bilder und ein allgemeines Körpergefühl.

Über all diese Sinne kannst du erforschen, was du gerade erlebst.

Bei Achtsamkeit geht es auch darum, dass du weißt, mit welchen Sinnen du eine Situation erforschen kannst und dich dann bewusst für einen entscheidest. Nicht die Masse an Eindrücken zählt sondern die Qualität (so wie in den ersten drei Punkten beschrieben).

Das waren die vier Grundtechniken, die beschreiben, wie wir achtsam wahrnehmen. Zum Herz der Achtsamkeit kommen wir nun, wenn wir die innere Haltung betrachten, mit der wir dem begegnen, was wir wahrnehmen: Liebevoll, sanft und wertfrei.

#5 Mitfühlend sein

Im vielen asiatischen Sprachen beinhaltet das Wort für Achtsamkeit neben dem Aspekt der Aufmerksamkeit auch den der Warmherzigkeit.

Kritik und Schuldzuweisungen haben in der Achtsamkeit keinen Platz – weder uns selbst noch anderen gegenüber.

Bei Achtsamkeit geht es also darum, allem, was wir wahrnehmen, mit einem Gefühl von Wärme, Respekt und Freundlichkeit zu begegnen. Auch, wenn es nicht unseren Erwartungen entspricht.

Weitere Artikel zum Thema Mitgefühl: Was Mitgefühl ist, Warum wir fühlen was andere fühlen. und Wissenschaftlich erwiesen: Selbstmitgefühl wirkt

#6 Offen und neugierig sein – Die Weisheit der Unwissenheit

Wenn wir achtsam sind, gönnen wir uns die Freiheit, nichts zu wissen. Stell dir vor, du wärst ein kleines Kind, das neugierig ist und alles um sich herum erforscht.

Der achtsame Anfängergeist zeichnet sich aus durch die Klarheit eines offenen und unverstellten Blicks.

#7 Erleben ohne zu bewerten – Einfach wahrnehmen was ist

Eines liebt unser Verstand fast noch mehr als das Denken: Das Urteilen. Er begutachtet und gleicht das Gesehene mit vorhandenen Meinungen, Vorstellungen, Vorurteilen und Glaubenssystem ab. Und schwups – schon steckt das Objekt der Betrachtung in einer Schublade. Dadurch entstehen jede Menge Fehleinschätzungen, die immer wieder zu unnötigen Spannungen im Leben führen.

Ein wichtiger Aspekt der Achtsamkeit ist, das was dir begegnet nicht zu bewerten. Erst dann kannst du es unvoreingenommen von allen Seiten betrachten und die Welt neu erfahren.

#8 (Sinnvolle) Akzeptanz

Der Schlüssel zur Achtsamkeit liegt darin zu akzeptieren, dass das Leben unvollkommen ist.

Wenn du achtsam bist, nimmst du die gesamte Bandbreite deiner Empfindungen stärker wahr – positive genauso wie negative. Das was sich gut anfühlt wollen wir gerne haben. Was ist aber, wenn es gerade nicht so toll ist? Du kannst damit hadern, es verdrängen oder es dir schönreden. Mal abgesehen davon, dass du dann nicht mehr achtsam bist (vgl. #7 Bewertung) und dich diese Verhaltensweisen unnötig Kraft kosten, hindern sie dich vor allem daran, die Situation zu verstehen und eine Lösung zu finden.

Wenn du das, was du wahrnimmst erst einmal als Teil deiner Realität akzeptierst, erkennst du auch viel leichter, was dir gut tut und was für dich nicht passt. Die Klarheit der Achtsamkeit ermöglicht es dir dann, überlegt zu handeln.

#9 Loslassen – einmal ohne Ziel sein

Wenn wir im Alltag etwas tun, ist das in der Regel mit einer Absicht verbunden. Wir wollen etwas erreichen. Wir treiben Sport, um schlank zu sein. Wir gehen, um irgendwo anzukommen.

Bei Achtsamkeit geht es darum, etwas nur um seiner selbst willen zu tun. Du nimmst wahr um wahrzunehmen. Du siehst um zu sehen, hörst um zu hören.

Je weniger du dich dabei anstrengst, desto wirkungsvoller ist Achtsamkeit.

#10 Geduldig sein

Achtsam Sein bedeutet, sich in Geduld zu üben wenn Hindernisse auftauchen, zum Beispiel wenn dir der Bus vor der Nase wegfährt.

In solchen Situationen ist Geduld angesagt. Denn das Leben ist nun einmal unvollkommen.

Achtsamkeit und Geduld sind wie zwei Sparringspartner. Sie trainieren miteinander und werden dabei gemeinsam stärker.

#11 Vertrauen

Ohne Vertrauen ist Achtsamkeit nicht möglich. Doch selbstverständlich ist es nicht. Wie sollen wir vertrauen, wenn achtsam sein bedeutet, sich entgegen aller unserer Gewohnheiten zu verhalten?

Dabei handelt es sich keineswegs um blindes Vertrauen. Denn seit Jahrtausenden praktizieren Menschen Achtsamkeit. Millionen von Menschen haben bereits Achtsamkeit geübt, weiterentwickelt und weitergegeben.

3 Antworten auf „11 wesentliche Aspekte der Achtsamkeit

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