Warum dein Gehirn nicht zur Ruhe kommt

Unser Gehirn ist fürs Überleben und die Fortpflanzung optimiert. Darum schaltet es auch nicht automatisch einen Gang runter, wenn wir uns körperlich ausruhen oder weniger Reize von außen auf uns einstürmen.

Ganz im Gegenteil. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gehirnaktivität in diesem vermeintlichen Ruhezustand mindestens genauso hoch ist, wie beim Lösen anspruchsvoller Aufgaben. Nur, dass ganz andere Hirnregionen zur Hochform auflaufen, das so genannte Default Mode Network (DMN) oder auch Leerlaufnetzwerk genannt.

#Wofür brauchen wir das Default Mode Network?

Das Leerlaufnetzwerk ist darauf spezialisiert, ein Ich-Bewusstsein zu erzeugen und dieses Selbst in die Vergangenheit und die Zukunft zu projizieren – vor allem im Zusammenspiel mit unserem Umfeld.

Natürlich wird da bewertet, was das Zeug hält. Gut – schlecht – neutral. Entscheidungen und Standpunkte werden überprüft und neu eingeordnet. Schließlich sollen Fehler nicht wiederholt und nützliche Verhaltensweisen gestärkt werden.

Dabei organisiert sich das Gehirn neu. Bewährte Bahnen werden gestärkt, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen entstehen, andere Verknüpfungen lösen sich. Diesen Vorgang nennt man Neuroplastizität.

#Das Leerlaufnetzwerk im 21. Jahrhundert

Die ständige Restrukturierung des Gehirns war und ist wesentlich für unser Überleben. Allerdings läuft sich dieser Mechanismus an den heutigen Lebensumständen gerne mal heiß.

Der Grund dafür ist, dass das Gehirn die Angst vor sozialer Ausgrenzung (Top-Stressfaktor der Neuzeit) kaum von der Angst vor lebensbedrohlichen Umständen unterscheiden kann, da die physiologischen Wirkungsketten gleich sind. So reagiert der Körper häufig auch beim Ärger mit Kollegen mit Flucht-, Kampf- und Erstarrungsreaktionen, die sich ursprünglich für Situationen entwickelt haben, bei denen es um Leben und Tod ging.

Entsprechend viel hat das Default Mode Network dann auch zu tun, wenn wir zur Ruhe kommen.

#Achtsamkeit und Default Mode Network

Auch Achtsamkeitsmeditation regt das Leerlaufnetzwerk an. Diesen Effekt kennt jeder Meditierende.

Im besten Fall versinken wir in Tagräume, bei denen es oft um Sex oder eigene Heldenphantasien geht (worauf wir ja fest „verdrahtet“ sind). Genauso kann es sein, dass unser Gehirn anfängt, Probleme zu wälzen; häufig in Halbsätzen und Endlosschleifen.

# Besänftigende Wirkung der Achtsamkeit 

Je mehr wir praktizieren, desto mehr beeinflussen wir die Aktivität des DMN. Denn auch Medition regt die Neuroplastizität des Gehirns an, und zwar direkt im Bereich des Leerlaufnetzwerks.

Mit dem Ergebnis, dass Personen, die bereits mehrere Jahre üben, sich besser auf die Gegenwart fokussieren können und sich weniger mit selbstbezogenen Gedanken beschäftigen, die sonst immer wieder die Konzentration auf das Hier und Jetzt unterbrechen. Zudem sind Bewertungsimpulse schwächer ausgeprägt.

Gehirnscans ihm Rahmen verschiedener Studien mit Langzeitmeditierenden zeigen auch, dass ihr Default-​Mode-​Netzwerk wesentlich enger mit Gehirnregionen verbunden ist, die für die bewusste Kontrolle und für Konfliktmanagement zuständig sind.

Je ruhiger unser Leerlauf Netzwerk wird, desto mehr verändert sich unsere Sicht auf die Welt – wir werden immer gelassener.

Schöner Nebeneffekt: Unser Gehirn hat mehr Spielraum für unerwartete, kreative Ideen.

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