Ich. Ich! ICH! – Oder war da noch wer anders?

Wann hast du das letzte Mal über gute Umgangsformen nachgedacht?

Damit meine ich nicht sinnentleerte Konventionen, sondern einen aufrichtig freundlichen und respektvollen Umgang mit anderen Menschen.

Wenn wir uns klar machen, dass wir nicht alleine auf der Welt sind, und dass andere Menschen die gleichen Rechte haben wie wir selbst, erscheint das was wir sagen und tun in einem völlig neuen Licht. Vor allem wenn man bedenkt, dass unser Verhalten auch Folgen für andere hat.

Was wäre, wenn wir mal nicht unseren eigenen Nutzen in den Vordergrund stellen würden?

  • Dann müssten wir nicht immer im Vordergrund stehen, sondern könnten uns auch mal zurückzunehmen und Rücksicht auf andere nehmen – auch wenn uns das selbst nichts bringt. Das könnte heißen, in der Bahn den Sitzplatz für ältere Menschen freizumachen – gleichgültig, ob mir gerade danach zumute ist oder nicht. Oder wir würden darauf verzichten, jemandem das Wort abzuschneiden, nur weil wir glauben es sowieso besser zu wissen.
  • Das was wir von anderen erwarten, könnten wir Ihnen ganz selbstverständlich ebenfalls geben und gönnen.
  • Uns wäre bewusst, dass nicht nur andere, sondern auch wir selbst unsere Schattenseiten haben.

Mal an andere denken – auch wenn wir sie gar nicht kennen

Unser Leben würde sich verändern. Du würdest das ein oder andere Mal den Sitzplatz in der Bahn nicht ergattern, weil sich jemand durch die Aussteigenden geboxt und dadurch schneller an Bord war. Das kann man aushalten. Vor allem, weil man viel häufiger einen Blick und ein Lächeln teilt, wenn man jemanden vorlässt oder die Tür aufhält.

Für mich laufen die Arbeitstage am besten, an denen ich mich an meinen Vorsatz halte, meinen Mitmenschen und mir selbst keinen unnötigen Stress zu bereiten. Es überrascht mich dann immer wieder, wie einfach das Leben sein kann.

Nur gut sein ist doch auch nicht gut, oder?

Es geht nicht darum, seine Bedürfnisse und Interessen dauernd für ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ideal zu unterdrücken. Darin liegt mindestens genauso viel Zündstoff, wie in der permanenten persönlichen Nutzenoptimierung.

Konflikte sind unvermeidbar, wobei nicht jeder Konflikt eine Auseinandersetzung wert ist.

Wenn mich die laute Musik meines Nebenmanns im Zug stört, kann ich meckern. Das bringt mir mit großer Wahrscheinlichkeit einen unangenehmen verbalen Schlagabtausch ein, ohne, dass sich meine Situation verbessert. Meist fährt man ruhiger, wenn man selbst einen Kopfhörer aufsetzt oder das Abteil wechselt. Andererseits kann es durchaus mal gut tun oder sein, den anderen mit der wahrgenommenen Grenzüberschreitung zu konfrontieren.*

Wie man reagiert ist jedes Mal wieder Abwägungssache:

  • Wie viele unangenehme Gefühle und Situationen entstehen bei den Handlungsalternativen für alle Beteiligte?
  • Wie viel Gutes bringt es jedem?
  • Dabei nicht vergessen, die Folgewirkungen für alle Parteien zu betrachten.

Geben und Annehmen

Bei respektvollen Umgangsformen steht das ausgewogene, gegenseitige Geben und Annehmen im Vordergrund.

Man tut nicht nur etwas für andere, sondern ist auch offen dafür, Freundlichkeit und Fürsorge anzunehmen, wenn sie einem angeboten werden – denn auch das ist ein wichtiger Aspekt des respektvollen Zusammenlebens.

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* Handelt es sich in der Situation um irgendeine Form der Manipulation oder des emotionalen, körperlichen und geistigen Missbrauchs, ist die Antwort ganz eindeutig: Grenzen setzen und ggf. Hilfe suchen!

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